Loslassen, um die Vision wieder zu sehen

Eigentlich hatte ich es schon entschieden. Nachdem ich meinen Schrebergarten zwei Jahre lang kaum mehr genutzt hatte, er mehr Ballast als Freude geworden war, wollte ich ihn kündigen. Monat für Monat hatte ich mich geprüft und immer wieder hatten andere Dinge vor der Gartenarbeit Vorrang. Mein schlechtes Gewissen wuchs, und dem wollte ich ein Ende machen. Schluss, Ende, Aus! Ich schrieb die Kündigung und schwang mich auf mein Fahrrad, um beim Verein vorbeizufahren. Ich wollte nur kurz vorher einen Blick in meinen Garten werfen um zu sehen, ob alles in Ordnung sei. Es war ein vorherbstlicher Abend, der Duft von Pflaumen und reifen Äpfeln lag schwer in der Luft, meine geliebten Dahlien schauten hinter den Zäunen hervor. Ich betrat meinen Garten, guckte mich um, und im Loslassen wurde mir klar, wie sehr ich an diesem Fleckchen Erde hänge. Ich stieg nachdenklich aufs Fahrrad und fuhr bis zum Vereinshäuschen. Nanu, keiner da? Ich las im Schaukasten, dass die nächste Vereinsstunde erst wieder im Oktober ist, ich hatte mich im Termin vertan. Aufschub!, dachte ich erleichtert. Ich beschloss, mir und meinem Garten noch eine Chance zu geben, aus der Routine und dem Gewohnten wieder neue Funken zu schlagen. 

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