Fr
23
Jul
2010
Visonenbuch, Kapitel Drei, 4: Träumen
Um Visionen zu finden, die authentisch sind, ist es wichtig, sich selber gut zu kennen. Und die Visionenarbeit ist einer der besten Wege, sich selber gut kennen zu lernen. Es ist ein Prozess, bei dem man sensibler für seine wahren Bedürfnisse wird und lernt, schnell zu erkennen, wann eine Vision wirklich eine ist, für die es sich zu arbeiten lohnt. Das ist nicht mit Zensur zu verwechseln, die uns unsere Visionen zerstört, bevor sie in uns entstehen. Es ist eher ein innerer Katalysator, durch den unsere Visionen auf ihren Kern hin reifen und nicht Gefahr laufen, Phantasien zu sein oder zu bleiben.
Im letzten Winter beispielsweise hatte ich die Vision, mit einem selbstgeschriebenen Theaterstück auf Tournee zu gehen. Tage- und nächtelang malte ich mir aus, was ich schreiben wollte, und wie mein Leben aussehen würde. Ich sah mich von Stadt zu Stadt fahren, ich spielte auf der Bühne, ich erntete Applaus. Ich ging in meiner Vision auf, bis ich sie mir immer konkreter ausmalte: Als ich mir nicht nur die Momente auf der Bühne, sondern auch die im anonymen Hotelzimmer ausmalte, vorstellte, monatelang von meinem Partner getrennt zu sein, da wurde mir bewusst, dass der praktische Teil meiner Vision in keiner Weise meinem Wesen entspricht. Ich bin notorisch gelangweilte Bahnfahrerin und fühle mich alleine auf Reisen schnell verloren. Die raschen Ortswechsel, die Sehnsucht nach meinem Partner – nein danke. Der Kern meiner Vision gefällt mir immer noch – doch das Drumherum passt nicht zu mir und es fällt mir leicht, davon loszulassen.

