Sa

24

Apr

2010

Buch Visionen: Kapitel Eins, 8: Auszeiten

Zeichnung Tanzende Frau

Ein großes Geschenk der Visionenarbeit ist, dass sie mir dazu verhelfen kann, aus unfreiwilligen Auszeiten bewusste Zeiten des Übergangs zu machen. Es liegt mir dabei fern, diese Lebensmomente und -phasen zu beschönigen - ein Jahr der unverhofften Arbeitslosigkeit wird niemals mit einem selbstgewählten und sorgfältig geplanten Sabbathjahr vergleichbar sein -; doch die Brüche in meiner Biografie stehen dafür, dass nicht nur etwas abbricht, sondern auch etwas aufgebrochen werden kann. Der Schmerz, der mit dem Verlust des Alten und mit der Angst vor dem Ungewissen dahergeht, wird immer inklusive sein -; doch die Visionenarbeit kann hier ein Gegengewicht schaffen. Es ist absehbar, dass die Anzahl an Umbrüchen im privaten und beruflichen Bereich nicht weniger, sondern mehr werden wird. Deshalb ist es so wertvoll, dass die Visionenarbeit Prinzipien in sich birgt, die in jedem Lebensbereich und in jeder Lebensphase anwendbar sind. Ob bei der Suche nach einer neuen Arbeit, einem Partner oder einem neuen Lebensort - wer einmal die Prinzipien der Visionenarbeit verinnerlicht hat, kann sie immer wieder aufs Neue nutzen und anwenden, und damit auch zukünftigen unfreiwilligen Auszeiten hoffentlich ein Stück gelassener entgegentreten.

 

Visionenarbeit ist immer möglich - im Alltag und in Zeiten des Übergangs, in freiwilligen und unfreiwilligen Auszeiten. Doch wenn ich es ehrlich betrachte, entfaltet die Visionenarbeit ihre ganze Tiefe und ihre explosive Kraft besonders dann, wenn mir der Boden unter den Füßen weggezogen wird und die Welt Kopf zu stehen scheint. Im grenzenlosen Chaos, im Nichts und in der Not löst sich die wahre Qualität der Visionenarbeit ein. In diesen Un-Zeiten ist die Visionenarbeit nicht nettes Geschenk, sondern lebensnotwendiger Anker.

 

Als ich vor einiger Zeit arbeitslos wurde, war dies wie ein kleiner Tod. Mein Arbeitsvertrag war von Vorneherein befristet gewesen und ich wusste um das Ende. Da ich in den Job sehr involviert war, fiel es mir schwer, mich rechtzeitig um eine neue Stelle zu kümmern, und ich akzeptierte, dass es eine Pause geben würde. Das, was folgte, war ein tiefgreifender Prozess, der mich in meinen Grundfesten erschütterte und rückhaltlos in die Leere stieß. Ich hatte nicht geahnt, dass ich mit meinem Job auch ein Stück meiner Identität verlieren würde. Das tägliche Tun und die damit verbundenen Erfolge hatten mich selbstbewusst gemacht und mich in eine bestimmte Berufsbezeichnung hineinwachsen lassen. Jetzt wuchs in mir ein großes Fragezeichen - durfte ich mich noch entsprechend bezeichnen, ohne täglich in diesem Berufsfeld zu arbeiten? Und schon befand ich mich bei den existenziellen Fragen, die da sind: Wer bin ich? Was ist das, was ich in der Vergangenheit tat, im Heute wert? Wozu bin ich auf dieser Welt? Ich konnte die entstandene Leere nicht meiden, ich musste mein Sein durch sie hindurchziehen wie durch einen Strom Wasser, der das Gewesene vom Jetzigen, das Überflüssige vom Wesentlichen trennt - doch es war eben auch die Leere, die mich zu meiner neuen Identität führte. Sie war das notwendige Vakuum, in dem ich mein Leben reflektieren und Zeit für Neues finden konnte.

 

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