Di

13

Apr

2010

Visionenbuch, Kapitel Eins, 4: Auszeiten

Zeichnung Tanzende Frau

Was ist für die Visionenarbeit ergebnisreicher, eine kurze oder eine lange Auszeit? Wie so oft in der Visionenarbeit gibt es hier nicht die eine, die einzig richtige Antwort, sondern viele Facetten.

 

Der große Vorteil der kurzen Auszeiten ist, dass sie enger mit dem Alltag verzahnt sind. Meine Visionen formieren sich nicht im Abstrakten, sondern erfahren direkt im Alltag eine Überprüfung. Schon die alten Kulturen haben gesagt, dass eine Vision spirituell wertlos ist, wenn ich sie nach der Zeit in der Einsamkeit und Wildnis nicht in die Gemeinschaft hineintrage und dort lebe. Zu der modernen Visionensuche gehört es nach wie vor dazu, das, was ich in der Natur "gesehen" habe, in meinen Alltag zu integrieren. Dieser Teil wird immer zu der Visionenarbeit dazugehören.

 

Dazu kommt, dass ich damit sogleich die hohe Kunst trainiere, mir in meinem Alltag Zeit für meine Visionen zu nehmen. Denn das wird immer wieder Thema in meinem Leben sein: Wie schaffe ich es, in mein oft sehr volles Leben Momente einzuplanen, die ich meinen Visionen widme. Ob ich nun einen Visionentreff mit mir veranstalte oder in Folge ein Buch schreibe - beides setzt voraus, dass ich meiner Visionenarbeit Priorität gebe und Energie dafür aufbringe. Ob in der Phase, in der ich meine Visionen suche oder in der Phase, in der ich die gefundenen Visionen lebe - es geht um Zeit. Und nicht um die unendliche ("Ich brauche mindestens ein Jahr Zeit, ohne Arbeit, ohne andere Verpflichtungen, um das Drehbuch zu schreiben!"), sondern um die Zeit im Hier und Jetzt und Kurz und Immer Wieder ("Ich schreibe abends nach der Arbeit ein paar Zeilen für mein Drehbuch.").

 

Gleichzeitig kann es für meine Visionenarbeit sehr wichtig sein, mir einmal (oder zweimal oder dreimal) eine längere Auszeit zu nehmen. Gerade, wenn ich zum ersten Mal die große Lebensschau halte und eine Bestandsaufnahme von meinem Leben mache. Christiane schrieb in einem Kommentar, dass sich dies die wenigsten Menschen leisten können. Ich weiß nicht, ob das so stimmt. Natürlich haben wir alle Verpflichtungen, denen wir nachkommen und oft auch nachkommen müssen. Aber ich habe in der Visionenarbeit sehr viel über Energie gelernt. Da, wo wir oft meinen, die Zeit oder das Geld fehle uns, ist es eigentlich die Energie, die wir nicht bereit sind aufzubringen, oder die wir nicht haben. Visionenarbeit hat sehr viel damit zu tun, Prioritäten zu setzen und meinen Visionen Gewicht zu geben. Und sie hat viel mit Geduldhaben zu tun. Wenn ich mir heute keine Auszeit nehmen kann, dann vielleicht morgen, nächsten Monat, nächstes Jahr. Es gilt, damit wie mit jeder anderen Vision umzugehen. Zu überprüfen, ob sie wirklich meinem authentischen Wunsch oder meiner Sehnsucht entspricht, sie dann so präzise wie möglich zu formulieren, um sie in mein Bewusstsein und in die Welt bringen zu können. Und zu schauen, was passiert, wenn ich sie als Vision ernst nehme. Vielleicht muss ich länger darauf warten, dass sie sich erfüllt. Vielleicht werde ich aber überrascht sein, wie schnell ich mit dem Koffer in der Hand zum Bahnhof schreite...

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