Do
08
Apr
2010
Visionenbuch: Kapitel Eins, 2: Auszeiten
Ich unterscheide zwischen zwei Auszeiten: der freiwilligen und der unfreiwilligen Auszeit.
Die freiwillige Auszeit ist die, die ich bewusst wähle und gestalte. Das kann zum Beispiel ein Urlaub sein. Ich verreise, um Abstand von meinem Zuhause und meinem Alltag zu bekommen. Vielleicht packe ich mein Tagebuch in meinen Koffer, um meine Gedanken fließen zu lassen, vielleicht nehme ich ein Buch über Visionen mit, das mich inspiriert. Ich kann bewusst in die Berge fahren, um beim Wandern hinunter ins Tal auf das alltägliche Leben zu schauen und dadurch mein Leben zu reflektieren. Oder ich lasse mir an der Küste vom Rauschen und Wellenschlag des Meeres etwas über das Leben und seine Geheimnisse "erzählen".
Ein Urlaub kann mir viele Gelegenheiten geben, mich für meine Visionen inspirieren zu lassen. Er kann mich daran erinnern, was mir gut tut und in welcher Umgebung ich aufblühe. Eine Radtour kann mich daran erinnern, wie gerne ich meinen Körper spüre und mich bewege... ein Lagerfeuer kann mich daran erinnern, wie sehr ich mich danach sehne, mit den Elementen verbunden zu sein... ein spontanes Lied auf einer Wanderung kann mich daran erinnern, dass ich schon immer in einen Chor eintreten wollte.
Mich hat ein Urlaub in Schweden zu meinem Schrebergarten in Bremen geführt. Ich hatte schon recht lange den Wunsch, einen Garten zu haben. Es war eine Vision, die in mir reifte, aber im Außen noch keinen Anknüpfungspunkt gefunden hatte. In Schweden verbrachte ich eine Woche auf einer Schäreninsel. Ich wohnte mit meiner Schwester in einem Pippilangstrumpfhaus. Am Abend unserer Ankunft ging ich in den Garten hinaus, der das Häuschen umgab. Es dämmerte, an den Sträuchern hingen tiefschwarze Beeren, ich setzte mich auf einen runden Fels, der aus der Wiese hervorguckte. Als ich den rauhen, moosbewachsenen Stein unter mir spürte, der die Landschaft der Schären so prägt, war es um mich geschehen. Ich war so ergriffen von der Natur, dass ich zu weinen begann. Meine Sehnsucht in mir, einen Garten zu haben, überwältigte mich. Als ich mich beruhigt hatte, ging ich ins Haus zurück und erzählte meiner Schwester von meinem Erlebnis. Ihr Kommentar war eindeutig: "Du brauchst einen Garten!" Punkt. Ein halbes Jahr später schaute ich mir die ersten Parzellen an und ich gehe mit meinem kleinen Gartenparadies nun schon ins fünfte Jahr.

