Mi
24
Mär
2010
Visionenbuch: Einführung 4; Visionssuche für jedes Alter
Ich komme gerade von meinem Visionen-Vortrag "Trauer hat Power - Trauer als Beginn der Visionenarbeit" zurück. Spannenderweise war ein zentrales Thema der Diskussionsrunde, die sich meinen Schilderungen anschloss, Alter und Visionenarbeit, und genau darüber wollte ich an dieser Stelle schreiben.
So wie die Visionenarbeit alle Lebensbereiche einschließt, so ist sie in jeder Altersstufe anwendbar. Oder anders formuliert: In jedem Altersabschnitt gibt es Lebenssituationen, in denen wir dazu aufgefordert sind, neue Visionen zu finden. Meistens handelt es sich um Übergänge, in denen wir alte Lebensumstände loslassen und in neue Umstände oder Phasen eintreten. Klassische Übergänge verlaufen von der Kindheit zur Jugend, von der Jugend zum Erwachsenensein, von dem Frau- und dem Mannsein hin zum Mutter- und zum Vatersein; Wechseljahre, das Großwerden der eigenen Kinder und der Abschied aus dem Berufsleben gehören ebenso dazu. Letztendlich kann auch der Übergang vom Leben in den Tod zur Visionenarbeit herausfordern, um mein Ich in dieser Welt loszulassen und mich auf das Ende oder das Kommende vorzubereiten.
Hinzu kommen noch all die Übergänge, die altersunabhängig sind und die uns immer wieder im Leben ereilen können - Verliebtsein, ein Paar-Werden, Sich-Trennen, Neu-Suchen... Arbeit finden, Arbeit verlieren, neue Berufsbereiche erobern... ob mit Zwanzig, Achtundvierzig oder Zweiundsiebzig. Immer und immer wieder fordert uns das Leben dazu heraus, vertraute Gefilde zu verlassen, unseren Lebenskompass neu auszurichten und unbekannte Ziele anzusteuern. Immer wieder geht es auch darum, sich seiner Verluste zu bekennen, sie zu betrauern und mit neuem Mut voranzugehen.
Einerseits wünsche ich jedem Menschen, dass sein Leben ein langer, ruhiger Fluss ist, ohne tragische Verluste und Veränderungen, die ihn durchrütteln und durchschütteln. Da aber die wenigsten Menschen so eine Lebensform erleben, kann es nicht früh genug sein, dass sie Übergänge bewusst erfahren und Werkzeug an die Hand bekommen, Übergänge so zu gestalten, dass sie frei für das Neue werden. Denn jede bewusste Übergangssituation lehrt mich Wichtiges, was ich bei der nächsten Übergangssituation nutzen kann. Ich las neulich in einem Lebensbericht eines Indianers, dass er an die dreißig Visionssuchen gemacht hatte. Auf was für einen Erfahrungsschatz konnte dieser Mensch zurückschauen!

