Mo
12
Okt
2009
Visionen: Übersprungshandlungen
Am Wochenende wollte mein Verlobter für mich Pfannkuchen backen. Es war Thema seit Wochen zwischen uns, seine "Als ich mal leckere Pfannkuchen buk"-Geschichten beeindruckend, die Zutaten besorgt und griffbereit. Nun, als der Hunger kam und das Vorhaben ernst wurde, meinte er, er müsse erst einmal in einem Kochbuch nach einem Rezept schauen. Ach, dachte ich bei mir, ich denke, er hat schon hundert Mal in seinem Leben Pfannkuchen gebacken? Ich gab ihm das Kochbuch, er versenkte sich darin. Mein Hunger wuchs. Welche Mehlsorte ich denn gekauft hätte, fragte er. Leicht gereizt antwortete ich "Mehl eben". Er nickte und schaute wieder ins Kochbuch. Ob ich Mineralwasser da hätte. Nein, ich gereizter, das hätte ich nicht. Ob er dann ganz schnell zum Bäcker laufen könne, um Mineralwasser zu besorgen?
Nun, es gab Pfannkuchen ohne Mineralwasser. Ich überzeugte ihn, dass es in Ordnung sei, heute mal ohne Mineralwasser zu backen, und siehe da, die Pfannkuchen schmeckten. Und während ich sie aß, dämmerte mir langsam, woher mir so ein "Heckmeck" um die richtige Zutat und den perfekten Pfannkuchen bekannt vorkam... von meiner Visionenarbeit! Ich selber erkannte mich darin, wie ich, bevor ich einen wichtigen Schritt angehe, einem Ziel näher zu kommen, auf einmal seltsame Eigenarten an den Tag lege. Ich werde handeln, muss NUR noch EINE Sache erledigen oder vorbereiten... es kann alles sein, was ich noch brauche, bevor ich loslege... auch das profanste Mittel wie eine Flasche Mineralwasser kann da zum heiligsten Requisit werden, das ich benötige, bevor ich mich mit meiner Vision auseinandersetze.
Es ist schön, Muster zu erkennen und ihnen aus Erfahrung Einhalt gebieten zu können. Sonst hätten wir wohl nie einen Pfannkuchen gegessen und wären vor Hunger elendlich gestorben. Und sonst hätte so manche meiner schönsten Visionen niemals Gestalt angenommen...
2 Kommentare
-
#1
Ich musste sehr lachen bei der Geschichte. Na dann, guten Appetit!
-
#2
Das ist eine gute Ermutigung, mit den Dingen zu agieren, die gerade da sind. Und nicht nach dem Unmöglichen zu streben.

