Sa
04
Jul
2009
Randy Pausch: Scheitern gehört zu Visionen dazu
Annabell Karbe
Randy Pausch gab 2007 als Professor einer amerikanischen Universität seine "last lecture" und damit einer Tradition neue Bedeutung: eigentlich stellen sich die Lehrenden die hypothetische Frage, was sie ihren Studierenden mitteilen würden, würden sie ihre letzte Vorlesung halten. Bei Randy Pausch war es tatsächlich die letzte Vorlesung, da er kurz vorher an Leberkrebs erkrankt war und wusste, dass er sterben würde.
Ich habe gestern das Video seiner Vorlesung entdeckt und in ihm einen "Visionenmate" entdeckt. Randy Pausch erzählt, für wie existenziell er es hält, seine Kindheitsträume zu verwirklichen. In seinen Ausführungen trifft sich vieles mit meinen Erkenntnissen, die ich in der Visionenarbeit weitergebe. Besonders beglückt war ich, als ich den Mann sagen hörte, dass ihn das Scheitern an dem Erreichen seiner Träume vielleicht am meisten gelehrt hat. So schaffte er es nicht, in die Fußball-Nationalmannschaft aufgenommen zu werden. Aber in dem Versuchen, dieses Ziel zu erreichen, hat er unglaublich viel gelernt.
Ich selber bin überzeugt, dass Scheitern unabdingbar zur Visionenarbeit dazu gehört. Je öfter ich versuche, meine Visionen zu erreichen, desto öfter scheitere ich. Lange Zeit habe ich Scheitern mit Versagen gleichgesetzt. Aber immer öfter kann ich es als natürlich ansehen, dass Scheitern ein Teil des Lebens ist. Es mag Stimmen geben, die sagen, man kann ALLES erreichen, hat man es nur ernsthaft genug versucht. Ich glaube jedoch, dass Visionen immer ein Zusammenspiel aus inneren und äußeren Einflüssen ist, und das wir nur bedingt kontrollieren können, dass uns etwas gelingt.
Mehr noch - ich habe erfahren, dass sich manches "Scheitern" im Nachhinein als Segen herausgestellt hat. Das hat meinem Erleben nicht den Schmerz genommen, denn etwas, das man sich sehr wünscht und für das man viel Energie investiert hat, nicht zu erreichen, i s t schmerzhaft. Aber es hat die Dinge zurechtgerückt und das Geschehene nicht bitter sein lassen.
Ich weiß, dass ich mit dieser Auffassung nicht sehr populär bin, denn Scheitern ist ein Tabu. Ich bin Randy Pausch dankbar dafür, dass er mein Erleben bestätigt und freue mich, in ihm einen "Visionenmate" gefunden zu haben.

