Mi
24
Jun
2009
die oft versagte Vision, das Singen
Copyright: Annabell Karbe
Ich habe nochmal über das Singen nachgedacht. Mir scheint es, als sei es ein Tun, an das wir Menschen die höchsten Ansprüche haben, und das wir uns damit oft unnötigerweise versagen. Kaum etwas, was wir so vehement betonen wie: „Nein, ich
K A N N nicht singen!“, werden wir einmal auf unsere Stimme oder ein gesummtes Lied angesprochen. Als sei es etwas, was wir erlernen, studieren müssen, wofür wir geheimnisvolle Prüfungen ablegen müssen, bevor wir überhaupt den ersten Ton von uns geben. Somit ist das Singen auch oft eine Vision, die wir ins nächste Leben verlegen: „Im nächsten Leben möchte ich Jazzsängerin sein, das wäre toll!“
Natürlich gibt es ausgebildete Sängerinnen und Sänger, die eine Arie schmettern können, dass es uns die Ohren weghaut. Aber müssen wir immer Profis sein, um etwas überhaupt tun zu dürfen? Wir erwarten von uns weder, Profischwimmer zu sein, um an einem heißen Sommertag baden zu gehen, noch preisgekrönte Schachspieler, um eine Runde Schach zu spielen. Aber das Singen überlassen wir den „echten Sängerinnen und Sängern“ und bevorzugen es, stumm durchs Leben zu gehen.
Ich liebe es, wenn der Vorhang der Professionalität weggezogen wird und der wahre und oft so schlichte Kern einer Sache zum Vorschein kommt. Sobald ich den Mund aufmache und einen klingenden Ton von mir gebe, singe ich. Punkt. Ein afrikanisches Sprichwort drückt dies so aus:
„Wer gehen kann, kann tanzen. Wer sprechen kann, kann singen.“
Life could be so simple.
1 Kommentar
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#1
Liebe Annabell, ich kann nur aus vollem Herzen das afrikanische Sprichwort bestätigen. In meinen beiden Liedergruppen sitzen Menschen, die seit ihrer Schulzeit keinen Ton mehr gesungen haben, weil ihnen dort mit harschem Urteil völlige Unfähigkeit bescheinigt wurde. Und nun singen sie aus vollem Halse (volle Pulle) Lakóta-Lieder. Das ist die schönste Belohnung für meine Arbeit!

